DIN 2303 Qualitätsklassen: was Q1–Q4 und BK 1–4 für die Schweißnachweise bedeuten
Was im Betrieb „Qualitätsklasse“ heißt, nennen die Unterlagen zur DIN 2303 „Klasse der Herstellerqualifikation“ — Q1 bis Q4. Daneben steht die Bauteilklasse BK 1 bis BK 4. Beide Achsen entscheiden, welche Nachweise die Schweißaufsicht führen muss. Diese Seite ordnet das aus Sicht des Zulieferers ein; den Normtext drucken wir nicht ab, jede Normaussage nennt ihre öffentliche Quelle; eigene Einordnungen sind als solche gekennzeichnet.
Zwei Achsen: Klasse der Herstellerqualifikation und Bauteilklasse
Die Klasse der Herstellerqualifikation teilt nach den Werkstoffen und ihren Verarbeitungsbedingungen beim Fügen ein (Q1 bis Q3) bzw. nach der Einsatzfähigkeit im Produkt (Q3 und Q4). Die Bauteilklasse ordnet das wehrtechnische Produkt nach Beanspruchungsart, Sicherheitsbedeutung und/oder Einsatzfähigkeit ein. Eine Bescheinigung nach DIN 2303 wird für die Bauteilklassen BK 1 bis BK 3 gefordert (so das Informationsblatt der zivilen Leitstelle, Stand 11/2014).
Vereinfacht, als unsere Einordnung: Die Q-Klasse sagt vor allem, was der Betrieb fügen darf, die Bauteilklasse vor allem, wie streng das einzelne Bauteil geprüft und belegt wird. Beides greift ineinander — die Q-Klasse bestimmt etwa, ob eine Verfahrensprüfung nötig ist, und nach der Bauteilklasse richtet sich auch die Stufe der Schweißaufsicht, die auf der Bescheinigung steht (Informationsblatt, Stand 11/2014). Eine Kurzbeschreibung jeder Klasse und eine Orientierung, welche Klasse zu Ihren Werkstoffen passt, gibt der DIN 2303 Selbstcheck.
Q1 und Q2: Werkstoffgruppe und Auftrag entscheiden
Nach der A-Z-Sammlung der Anerkannten Stellen (Stand 15.04.2026, Nr. 8) gehören die Werkstoffgruppen 1.1, 1.2, 1.4, 8.1, 21 und 22 nach CEN ISO/TR 15608 zur Klasse Q1, alle anderen Gruppen zu Q2. Die Leitstelle der Bundeswehr im WIWeB nennt als Beispiele für Q2 flüssigkeitsvergütete Stähle, nichtmagnetisierbare austenitische Stähle und AlZnMg-Legierungen. Verlangt der Auftraggeber unabhängig vom Werkstoff Q2, wird die Bescheinigung für Q1 ausgestellt und Q2 im Text ergänzend vermerkt (Nr. 20).
Für die Schweißanweisungen heißt das: In Q1 sind grundsätzlich alle Wege der Anerkennung nach ISO 15607 zulässig, auch ISO 15610 (Informationsblatt, Stand 11/2014; A-Z-Sammlung Nr. 29). Für BK 1 und BK 2 verlangt die A-Z-Sammlung zugleich den Nachweis mechanisch-technologischer Eigenschaften; ob daraus bei Q1 und Handschweißen eine Verfahrensprüfung folgt, lässt die öffentliche Quelle offen — das klärt die Anerkannte Stelle. Für Werkstoffe der Klasse Q2 muss eine Verfahrensprüfung nach ISO 15614 ff. (Vorgaben nach Stufe 2) oder eine vorgezogene Arbeitsprobe nach ISO 15613 vorliegen; dasselbe gilt für automatisierte Prozesse ab vollmechanisch, unabhängig vom Werkstoff (A-Z-Sammlung Nr. 29). Nach DVS-Richtlinie 1901-1 (Stand 08/2011, Tabelle 10) entspricht Q1 den Standard-Qualitätsanforderungen nach ISO 3834-3, Q2 bis Q4 den umfassenden nach ISO 3834-2. Für das Widerstandsschweißen ist statt ISO 3834-2 die ISO 14554-1 sinngemäß anzuwenden, für Q1 die ISO 14554-2 (Nr. 44).
Q3: Panzerungswerkstoffe nach Technischen Lieferbedingungen
Q3 betrifft Panzerungswerkstoffe, die die Panzerungsfunktion erfüllen (WIWeB). Anders als bei Q1 und Q2 entscheidet hier nicht die Werkstoffgruppe, sondern das Produkt: Es gelten nur ausgewählte Werkstoffe nach Technischen Lieferbedingungen (TL). DVS 1901-1 (Stand 08/2011) nennt als ergänzende Anforderungen TL 2350-0003 und TL 2350-0008; welche TL für einen Auftrag gilt, steht im Auftrag.
Das Informationsblatt der zivilen Leitstelle (Stand 11/2014) nennt für Q3 an mehreren Stellen der Nachweiskette zusätzliche Anforderungen: bei den Werkstoffbescheinigungen der Grundwerkstoffe und Schweißzusätze, bei der Qualifikation der Schweißer und Bediener, bei der Anerkennung der Schweißanweisungen und bei den Gütevorgaben, die in den TL festgelegt sind. Die A-Z-Sammlung (Nr. 29) verweist für Q3 ebenfalls auf weitergehende Anforderungen an die Verfahrensprüfung. Was beim Schweißen der Schutzstähle selbst zu beachten ist, steht unter Panzerstahl.
Q4: Werkstoffe der Luftfahrttechnik
Q4 gilt für Wehrmaterial aus speziellen Werkstoffen, die in der Luftfahrttechnik verwendet werden (WIWeB). Die Werkstoffe richten sich nach Normen der Luftfahrt, unabhängig von CEN ISO/TR 15608; Schweißer und Bediener werden nach DIN ISO 24394 und DIN ISO 16338 geprüft, Hartlöter nach DIN ISO 11745, das ZfP-Personal nach EN 4179 (Informationsblatt, Stand 11/2014). Lenkflugkörper fallen in Q4, wenn sie von einem Luftfahrzeug mitgeführt und gestartet werden, und in Q2, wenn sie von land- oder seegestützten Systemen starten (A-Z-Sammlung Nr. 48).
Was die Bauteilklasse in der Dokumentation ändert
- Bewertungsgruppe nach ISO 5817: B für BK 1 und BK 2, C für BK 3, D für BK 4; ist keine Bauteilklasse nachweisbar, gilt BK 1 (WIWeB).
- Werkstoffzeugnis der Grundwerkstoffe: mindestens 3.1 nach EN 10204 für BK 1 und BK 2, sofern ergänzende spezifische Anforderungen nichts anderes fordern; mindestens 2.2 für BK 3 und BK 4 (A-Z-Sammlung Nr. 22).
- Schweißzusätze: bei BK 1 und BK 2 bis zur Schweißung rückverfolgbar (Nr. 12).
- Verfahrensprüfung: für BK 1 und BK 2 sind mechanisch-technologische Eigenschaften nachzuweisen (Nr. 29).
- Sichtprüfung: an 100 % der Bauteile im Geltungsbereich der DIN 2303, durch Personal nach ISO 9712, eine anerkannte Schweißaufsicht oder einen qualifizierten Schweißinspektor. Für BK 3 und BK 4 genügt auch Personal mit dokumentierter Schulung für Sichtprüfungen nach ISO 17637, Werkerselbstprüfung ist dort möglich. Unabhängig von der Bauteilklasse wird eine Bestätigung der Sehschärfe verlangt (Nr. 39).
- Schweißaufsicht: Die geforderte Qualifikation hängt von der Bauteilklasse ab (Informationsblatt, Stand 11/2014). DVS 1901-1 (Stand 08/2011) gibt sie auszugsweise wieder: umfassende technische Kenntnisse nach ISO 14731 für BK 1, spezielle für BK 2, Basiskenntnisse für BK 3. Schweißinspektoren IWI-C können für BK 3 als Aufsicht anerkannt werden (A-Z-Sammlung Nr. 34).
- BK 4: wird im Einzelfall zwischen Besteller und Hersteller vereinbart, eine Herstellerqualifikation ist dort nicht erforderlich (WIWeB).
Q2 BK 1: wie man eine Kombination liest
Am Beispiel Q2 BK 1 — Werkstoffe außerhalb der Q1-Gruppen, Bauteil mit hoher Beanspruchung und hoher Sicherheitsbedeutung — ergibt sich aus den genannten Quellen dieser Nachweisstand: Schweißanweisungen auf Grundlage einer Verfahrensprüfung nach ISO 15614 ff. oder ISO 15613 mit Nachweis der mechanisch-technologischen Eigenschaften, Bewertungsgruppe B, Grundwerkstoffe mit mindestens Abnahmeprüfzeugnis 3.1, Schweißzusätze bis zur Schweißung rückverfolgbar, Sichtprüfung an jedem Bauteil durch qualifiziertes Prüfpersonal und eine Schweißaufsicht der für BK 1 geforderten Stufe. Die Zusammenstellung ist unsere Einordnung; maßgeblich sind Norm, Auftrag und die Festlegung der Anerkannten Stelle.
Wo die Klasse steht
Welche Klasse und welche Bauteilklasse gefordert sind, steht im Auftrag — nicht in einer Software und nicht in diesem Text. Was ein Betrieb nachgewiesen hat, steht auf seiner Bescheinigung. Das Online-Register der zivilen Leitstelle (din2303.de) führt je Betrieb die Herstellerqualifikationsklassen, die Bauteilklassen, die Prozesse und die Werkstoffgruppen und lässt sich danach filtern — nützlich, bevor Sie einen Unterauftragnehmer einbinden. Wie man die Bescheinigung erlangt, beschreibt DIN 2303 Zertifizierung: Ablauf und Gültigkeit; was die Norm insgesamt vom Betrieb verlangt, DIN 2303 für Schweißbetriebe.
Quellen: Leitstelle der Bundeswehr für Schweiß- und Klebtechnik im WIWeB, „Herstellerqualifikation nach DIN 2303“ (Vortragsfolien, 10/2025); A-Z-Sammlung des Erfahrungsaustausches der Anerkannten Stellen nach DIN 2303 (Stand 15.04.2026); GSI mbH, NL SLV Berlin-Brandenburg (zivile Leitstelle), Informationsblatt zur DIN 2303 (Stand 11/2014); DVS-Richtlinie 1901-1 (Stand 08/2011); Online-Register din2303.de; abgerufen am 05.10.2026. Dieser Text ersetzt weder die Norm noch die Festlegung der Anerkannten Stelle.
WehrNorm läuft auf Schweißanweisung Software.