DIN 2303 Zertifizierung: der Weg zur Herstellerqualifikation
Was umgangssprachlich „Zertifizierung nach DIN 2303“ heißt, ist die Bescheinigung über die Herstellerqualifikation nach DIN 2303. Betriebe brauchen sie, wenn sie bei der Herstellung oder Instandsetzung wehrtechnischer Produkte für die Bundeswehr schweißen, hartlöten oder thermisch spritzen — gefordert wird sie für die Bauteilklassen BK 1 bis BK 3, nicht für handelsübliche Produkte (Informationsblatt der zivilen Leitstelle, Stand 11/2014). Diese Seite beschreibt den Weg dorthin aus Sicht des Betriebs.
Wer zertifiziert: die Anerkannten Stellen
Die Bescheinigung stellt eine Anerkannte Stelle aus. Die Anerkannten Stellen lässt die Leitstelle der Bundeswehr für Schweiß- und Klebtechnik im WIWeB zu und überprüft sie; sie ernennt auch eine zivile Leitstelle. Das ist die GSI mbH, Niederlassung SLV Berlin-Brandenburg, die selbst als Anerkannte Stelle tätig ist — auf die Wahl der Anerkannten Stelle durch einen Betrieb hat sie keinen Einfluss (WIWeB; A-Z-Sammlung, Stand 15.04.2026).
Welche Stellen Bescheinigungen ausgestellt haben, zeigt das Online-Register der zivilen Leitstelle unter din2303.de, das sich nach ausstellender Stelle filtern lässt. Am 05.10.2026 führte der Filter: DNV GL SE, SLV Berlin-Brandenburg, SLV Duisburg, SLV Hannover, TÜV Nord Systems, TÜV Rheinland Industrie Service, TÜV Süd und WTD 91. Die Vortragsfolien des WIWeB (10/2025) nennen als Anerkannte Stellen dieselben Organisationen, teils unter anderem Namen (TÜV Rheinland LGA, DNV SE), und zusätzlich zwei Stellen der Bundeswehr: das Logistikkommando (LogKdoBw Abt Eins Grp IHF) und das WIWeB selbst. Beides ist eine Momentaufnahme, keine amtliche Liste — vor der Anfrage im Register nachsehen.
Ablauf der Zertifizierung
Die Leitstelle der Bundeswehr im WIWeB beschreibt den Ablauf so:
- Anfrage an eine Anerkannte Stelle; die Norm selbst kauft der Betrieb beim Normenverlag.
- Rückfragen bei der Anerkannten Stelle, Angebot für die Zulassung.
- Antrag bei der Anerkannten Stelle mit Betriebsbeschreibung (laut WIWeB nach Anhang B der Norm) — der Antrag ist zugleich der Auftrag.
- Terminierung und Betriebsbegehung durch die benannten Personen der Anerkannten Stelle.
- Fachgespräch mit der Schweißaufsichtsperson und ihrem Stellvertreter, Abschlussgespräch mit der Betriebsleitung.
- Überarbeitung des Antrags.
- Ausstellung der Zulassungsurkunde für den Betrieb und Information an das WIWeB.
Zur Betriebsprüfung gehört gegebenenfalls auch die Abnahme von Verfahrensprüfungen (WIWeB). Mit dem Antrag erklärt der Betrieb auf dem Deckblatt, ob er in das Internet-Verzeichnis aufgenommen werden will; wer das nicht möchte, muss es dort ausdrücklich angeben (A-Z-Sammlung Nr. 13).
Was bei der Betriebsprüfung auf den Tisch kommt
Die WIWeB-Unterlagen nennen als Anforderungen an die Hersteller: Betriebseinrichtungen, Schweißfachpersonal und Schweißaufsichtspersonal, Fertigungs- und Prüfeinrichtungen, schweißtechnische Tätigkeiten und Planung, Schweiß- und Arbeitsanweisungen, Lagerung und Handhabung von Schweißzusätzen und Halbzeugen, Qualitätsprüfungen vor, während und nach dem Schweißen, Untervergabe an andere Hersteller und die Umschlüsselung von Fertigungsunterlagen. Aus der A-Z-Sammlung der Anerkannten Stellen kommen Punkte, die man vorbereitet haben sollte:
- Wer mehr als fünf qualifizierte Schweißanweisungen vorhält, führt eine Übersichtsliste, in der die relevanten Unterschiede der Geltungsbereiche aus den WPQR dargestellt sind (Nr. 29).
- Kalibrierte Schweißgeräte nach ISO 17662 (Nr. 21).
- Wo zwischen den Abteilungen keine engen Kontakte bestehen, schult die verantwortliche Schweißaufsicht die Verantwortlichen für Fertigung, Einkauf, Qualitätssicherung, Vertrieb und Projektleitung in festen Abständen; der Schulungsnachweis wird im Audit vorgelegt (Nr. 37).
- Erreicht eine eingetragene Aufsichtsperson während der Laufzeit das Rentenalter oder ist ein Wechsel absehbar, wird ein Personalkonzept für die Aufsicht vorgestellt (Nr. 43).
Die inhaltlichen Anforderungen — Verhältnis zu ISO 3834, Schweißanweisungen, Verfahrens- und Schweißerprüfungen — stehen unter DIN 2303 für Schweißbetriebe; was die Klasse der Herstellerqualifikation und die Bauteilklasse an Nachweisen verlangen, unter DIN 2303 Qualitätsklassen.
Wie lange gilt die Bescheinigung?
Die Bescheinigung wird für höchstens drei Jahre erteilt; mit Auflagen oder kürzerer Gültigkeit ist sie ebenfalls möglich (Informationsblatt, Stand 11/2014; ebenso DVS-Richtlinie 1901-1, Stand 08/2011). Eine Überwachung während der Laufzeit ist laut Informationsblatt normativ möglich, wird aber nur in begründeten Fällen und in Abstimmung mit dem Auftraggeber genutzt. Eine Karenzzeit über das Ablaufdatum hinaus kennt die A-Z-Sammlung nur, wenn der Antrag auf Verlängerung rechtzeitig vor Ablauf gestellt wurde (Nr. 7) — den Verlängerungsantrag also vor Ablauf stellen. Betriebe der Klasse Q2 oder höher, die mit einer externen Schweißaufsicht arbeiten und nur zwei Aufsichtspersonen haben, erhalten die Bescheinigung grundsätzlich nur mit verkürzter Laufzeit (Nr. 30).
Was kostet die Zertifizierung nach DIN 2303?
Preise nennt keine der hier ausgewerteten öffentlichen Quellen. Im Ablauf des WIWeB steht vor dem Antrag das Angebot der Anerkannten Stelle für die Zulassung — dort steht der Preis für den eigenen Betrieb.
Sonderfälle aus der A-Z-Sammlung
- Externe Schweißaufsicht: Aufsichtspersonen dürfen in Ausnahmefällen für höchstens drei weitere Betriebe anerkannt werden; als extern gelten auch Teilzeitkräfte mit weniger als 50 % der im Unternehmen üblichen Regelarbeitszeit (Nr. 30).
- Ohne eigene Schweißwerkstatt: Auch Betriebe, die Schweißungen nur einkaufen und untervergeben, können sich zertifizieren lassen, wenn mindestens ein Mitarbeiter schweißtechnische Kenntnisse nachweist — die A-Z-Sammlung verweist dafür auf Tabelle 2 der Norm (Nr. 38).
- Zweite Fertigungsstätte: Über ihre Aufnahme in die Bescheinigung entscheidet im Ausnahmefall die Benannte Person der Anerkannten Stelle; Voraussetzungen sind unter anderem, dass sie bei der Betriebsprüfung einbezogen wurde und der Auditbericht den geprüften Umfang wiedergibt (Nr. 31).
- Englische Fassung: Die Bescheinigung darf zusätzlich auf Englisch ausgestellt werden (Nr. 5).
Wie weit die eigenen Nachweise vor dem Antrag schon reichen, zeigt der DIN 2303 Selbstcheck.
Quellen: Leitstelle der Bundeswehr für Schweiß- und Klebtechnik im WIWeB, „Herstellerqualifikation nach DIN 2303“ (Vortragsfolien, 10/2025); A-Z-Sammlung des Erfahrungsaustausches der Anerkannten Stellen nach DIN 2303 (Stand 15.04.2026); GSI mbH, NL SLV Berlin-Brandenburg (zivile Leitstelle), Informationsblatt zur DIN 2303 (Stand 11/2014); DVS-Richtlinie 1901-1 (Stand 08/2011); Online-Register din2303.de; abgerufen am 05.10.2026. Dieser Text ersetzt weder die Norm noch eine Beratung; die Herstellerqualifikation prüft und bescheinigt die Anerkannte Stelle.
WehrNorm läuft auf Schweißanweisung Software.