Zulieferer der Rüstungsindustrie: Einstieg für Schweißbetriebe
Ein Schweißbetrieb kommt auf zwei Wegen in die Wehrtechnik: direkt über eine Vergabe der Bundeswehr oder als Unterauftragnehmer eines Auftragnehmers. Diese Seite zeigt den Vergabeweg und die Nachweise in der Reihenfolge, in der sie typischerweise gefragt werden.
Wer beliefert die Bundeswehr?
Beschafft wird der Sachbedarf der Bundeswehr unter anderem über das BAAINBw und seine nachgeordneten Dienststellen; die Broschüre nennt daneben weitere Beschaffungsstellen. Laut der BAAINBw-Broschüre „Auftraggeber Bundeswehr“ vergibt die Bundeswehr die Mehrzahl ihrer Aufträge an kleine und mittlere Unternehmen; mögliche Nachteile gegenüber Großunternehmen gleicht sie etwa durch die Aufteilung in Lose aus oder dadurch, dass sie bei komplexen Großaufträgen zur Vergabe von Unteraufträgen anhält.
Der Vergabeweg
- Ausschreibungen finden: Die Broschüre nennt als Veröffentlichungsplattformen ted.europa.eu, service.bund.de und evergabe-online.de.
- Teilnehmen: Ist der Auftrag ausgeschrieben, nimmt man am Vergabeverfahren teil; kann er direkt vergeben werden, informiert man die zuständige Vergabestelle (Broschüre, Abschnitt IV).
- Unterauftrag: Bei Unteraufträgen schließt der Schweißbetrieb den Vertrag mit dem Auftragnehmer; die Qualitätsanforderungen kommen dann über dessen Bestellung (siehe AQAP unten).
- Kontakt: Für Fragen nennt die Broschüre das BAAINBw, Referat J1.
Welche Nachweise in welcher Reihenfolge?
Die Reihenfolge ist eine Einordnung: vom allgemeinen Schweiß-Qualitätsnachweis über den wehrtechnischen bis zu den vertraglichen Anforderungen.
- ISO 3834 — Qualitätsanforderungen an das Schmelzschweißen. Schweißanweisungen, Schweißerprüfungen, Schweißaufsicht und Prüfaufzeichnungen sind die Grundlage, auf der die wehrtechnischen Nachweise aufbauen. ISO 3834 im Überblick.
- DIN 2303 — Herstellerqualifikation für wehrtechnische Produkte. Laut der Leitstelle der Bundeswehr für Schweiß- und Klebtechnik im WIWeB läuft sie so: Anfrage an eine „Anerkannte Stelle“, Antrag mit Betriebsbeschreibung nach DIN 2303 Anhang B, Betriebsbegehung, Fachgespräch mit der Schweißaufsicht und ihrer Vertretung, Zulassungsurkunde, Information an das WIWeB. Vorausgesetzt werden Schweißer mit Prüfung nach ISO 9606-1, Schweißaufsicht nach ISO 14731 und ZfP-Personal nach ISO 9712. DIN 2303 für Schweißbetriebe.
- AQAP — Qualitätsanforderungen im Vertrag. Nennt der Vertrag eine AQAP, gibt der Auftragnehmer die relevanten AQAP an seine Unterauftragnehmer weiter, mit dem Hinweis, dass die Anforderungen der Güteprüfung unterliegen können (AQAP 2110, Abschnitt 5.4.6.1). AQAP im Überblick.
- Geheimschutz — nur bei Verschlusssachen. Das Geheimschutzhandbuch des für die Wirtschaft zuständigen Bundesministeriums richtet sich an Unternehmen, die sich im Auftrag einer Bundes- oder Landesbehörde mit Verschlusssachen befassen (Land Berlin, Geheimschutz in der Wirtschaft). Wer Zugang zu Verschlusssachen der Grade VS-VERTRAULICH, GEHEIM oder STRENG GEHEIM hat, übt eine sicherheitsempfindliche Tätigkeit aus und wird vorher sicherheitsüberprüft (Sicherheitsüberprüfungsgesetz, § 1 Abs. 2 Nr. 1 und § 2 Abs. 1). Ein reiner Fertigungsauftrag nach Zeichnung ohne Verschlusssachen fällt nicht darunter.
Exportkontrolle
Liefert der Betrieb Teile für Rüstungsgüter, stellt sich neben der Schweißqualität die Frage der Exportkontrolle. Exportkontrolle für Rüstungszulieferer.
Was die Schweißdokumentation leisten muss
Alle drei Qualitätsstufen — ISO 3834, DIN 2303, AQAP — stützen sich auf dieselben Unterlagen: gültige Schweißerprüfungen, passende Schweißanweisungen, Prüfaufzeichnungen und die Zuordnung zum Bauteil. Schweißnachweise in der Wehrtechnik.
WehrNorm läuft auf Schweißanweisung Software.