Panzerstahl: was er ist und wie man ihn nach Herstellervorgabe schweißt
Panzerstahl — die Hersteller sagen Schutzstahl (protection steel) — ist ein gehärteter Stahl für ballistischen Schutz. Wer ihn schweißt, arbeitet nach den Verarbeitungsempfehlungen des Herstellers; diese Seite erklärt, warum, und was davon in die Schweißdokumentation gehört. Werte nennen wir bewusst nicht: Sie gelten je Güte und Dicke und stehen im aktuellen Datenblatt.
Was ist Panzerstahl?
Schutzstahl bekommt seine Härte aus der Wärmebehandlung, nicht aus einer hohen Legierung: SSAB beschreibt Armox als vergüteten Stahl (gehärtet und angelassen) mit magerer chemischer Zusammensetzung; Dillinger nennt DIFENDER wassergehärtet — die Härte entsteht durch beschleunigtes Abkühlen von Austenitisierungstemperatur.
Welche Legierung ist Panzerstahl?
SSAB spricht bei Armox von einer mageren chemischen Zusammensetzung; die genaue Analyse steht je Güte im Datenblatt des Herstellers. Für den Schweißbetrieb zählt weniger die Legierung als das, was sie bedeutet: Die Härte ist das Ergebnis der Wärmebehandlung und kann durch Wärme beim Schweißen, Schneiden oder Umformen wieder verloren gehen.
Güten am Markt
- Armox und Ramor — Schutzstähle von SSAB.
- DIFENDER — Schutzstähle der Dillinger Hüttenwerke.
Die Liste ist nicht vollständig; welche Güte ein Bauteil braucht, legt die Zeichnung bzw. der Auftraggeber fest.
Schweißen nur nach Herstellervorgabe
Beide Hersteller bezeichnen ihre Schutzstähle als mit den üblichen Verfahren schweißbar — aber unter Bedingungen, die sie je Güte vorgeben:
- Vorwärmen mit Ober- und Untergrenze: SSAB nennt Mindest- und Höchsttemperaturen für Vorwärmen und Zwischenlagen; die Mindesttemperatur verhindert Wasserstoffrisse, die Höchsttemperatur den Verlust der mechanischen Eigenschaften. Bei ferritischem Zusatz empfiehlt SSAB immer Vorwärmen.
- Wärme kostet Härte: Dillinger nennt je Güte eine Temperatur, über die DIFENDER nicht länger erwärmt werden soll; neben einer Brennschnittkante zeigt Dillinger eine schmale entfestigte Zone.
- Wasserstoffarm schweißen: Dillinger empfiehlt für das Lichtbogenhandschweißen in allen Fällen basisch umhüllte Stabelektroden; SSAB empfiehlt für ferritische Zusätze einen niedrigen Wasserstoffgehalt.
- Zusatz mit möglichst niedriger Festigkeit, wo die Naht es erlaubt (beide Hersteller), oder austenitischer Zusatz: SSAB empfiehlt für Armox Zusätze vom Typ AWS 307, zweite Wahl AWS 309; Dillinger hält bei austenitischen oder Nickelbasis-Elektroden einen Verzicht auf Vorwärmen unter Umständen für möglich.
- Heftnähte: SSAB nennt für Armox eine Mindestlänge je Heftnaht.
Dillinger weist darauf hin, dass militärische Auftraggeber bestimmte Bearbeitungsschritte ausschließen können. Was im Auftrag steht, geht der Herstellerempfehlung also noch vor.
Herstellerqualifikation: Klasse Q3
Für wehrtechnische Produkte führt DIN 2303 laut der Leitstelle der Bundeswehr für Schweiß- und Klebtechnik im WIWeB eine eigene Qualifikationsklasse Q3 für Panzerungswerkstoffe, die die Panzerungsfunktion erfüllen. DIN 2303 für Schweißbetriebe.
Was in Schweißanweisung und Protokoll gehört
- Güte und Dicke mit Werkstoffzeugnis — die Herstellerwerte gelten je Güte und Dicke.
- Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur als Bereich (Mindest- und Höchstwert), mit der Quelle (Datenblatt, Ausgabe).
- Zusatzwerkstoff mit Typ und Wasserstoffklasse; bei Stabelektroden Rücktrocknung und Lagerung.
- Streckenenergie, sofern der Hersteller sie begrenzt.
- Im Protokoll die gemessenen Temperaturen je Naht, damit die Einhaltung der Grenzen belegbar ist.
Diese Liste ist eine Einordnung, keine Normvorgabe; verbindlich sind Auftrag, Zeichnung und das Datenblatt der eingesetzten Güte. Schweißnachweise in der Wehrtechnik.
Quellen: SSAB, „Workshop recommendations for Armox protection steel“ (12/2024); Dillinger, „DIFENDER — Processing recommendations“ (06/2026); abgerufen am 05.10.2026.
WehrNorm läuft auf Schweißanweisung Software.