AQAP 2110: was die NATO-Anforderung vom Schweiß-Zulieferer verlangt
AQAP 2110 ist die NATO-Qualitätsanforderung für Entwicklung und Fertigung. Sie gilt, wenn der Vertrag oder die Bestellung sie nennt — für den Schweißbetrieb auch dann, wenn er als Unterauftragnehmer eines Systemhauses liefert (5.4.6.1). Diese Seite ordnet die Ausgabe D (Juni 2016) ein und gibt sie sinngemäß wieder.
Was ist AQAP 2110?
AQAP 2110 enthält laut BAAINBw die Anforderungen der ISO 9001, ergänzt um NATO-Zusatzbestimmungen. Ist sie im Vertrag genannt, gilt sie für alle Prozesse, die der Lieferant zur Vertragserfüllung braucht; bei Widersprüchen geht der Vertrag vor (AQAP 2110, Abschnitt 1.3). Die Ausgabe D hat die früheren AQAP 2120 und 2130 mit abgelöst (Promulgationsschreiben). Welche AQAP es sonst gibt: AQAP im Überblick.
AQAP 2110 vs. ISO 9001
AQAP 2110 ersetzt ISO 9001 nicht, sondern setzt darauf auf: Der Lieferant betreibt ein Qualitätsmanagementsystem, das die Anforderungen der ISO 9001:2015 enthält, soweit der Vertrag sie braucht (Abschnitt 4.1). Die meisten Zusatzabschnitte nennen in eckigen Klammern das Kapitel der ISO 9001, das sie ergänzen. Was über ISO 9001 hinausgeht, betrifft vor allem den Auftraggeber und seinen Güteprüfer:
- Auftraggeber und Güteprüfer können das Qualitätsmanagementsystem für den Vertrag zurückweisen (4.2).
- Der Güteprüfer bekommt Zugang zum Betrieb, zu Unterauftragnehmern und zu den Unterlagen (4.3, 5.3.5).
- Ein Beauftragter der Leitung ist Ansprechpartner für GQA-Fragen und berichtet direkt an die Geschäftsführung (5.1.1).
- Messmittel: Kalibriersystem nach ISO 10012; fällt ein Messmittel bei der Kalibrierung durch und betrifft das gelieferte Produkte oder Prüf- und Abnahmeergebnisse, meldet der Lieferant das (5.3.2).
- Bei Freigabe des Produkts übergibt der Lieferant eine selbst unterschriebene Konformitätsbescheinigung; Endprüfung und Abnahme durch den Güteprüfer werden mindestens zehn Arbeitstage vorher angekündigt, sofern der Vertrag nichts anderes bestimmt (5.4.11).
AQAP 2110 auf Deutsch: die Gliederung
Den Text der AQAP geben wir nicht wieder — er ist urheberrechtlich geschützt. Die Gliederung der Ausgabe D, sinngemäß auf Deutsch:
1–3 · Geltung, Referenzen, Begriffe
Vertrag geht vor; Begriffe wie Konformitätsbescheinigung, Güteprüfung (GQA), Qualitätsplan, gefälschtes Material
4 · Qualitätsmanagementsystem
ISO 9001:2015 als Grundlage, Zurückweisungsrecht des Auftraggebers, Zugangsrechte für den Güteprüfer
5.1 · Führung
Beauftragter der Leitung für GQA-Fragen
5.2 · Planung
Risikomanagement ab der Vertragsprüfung
5.3 · Unterstützung
Sperrbereich für fehlerhafte Teile, Kalibrierung, Kompetenz, Zugang zu Unterlagen
5.4 · Betrieb
Qualitätsplan, Konfigurationsmanagement, Unterauftragnehmer, Arbeitsanweisungen, Rückverfolgbarkeit, Freigabe, Nichtkonformitäten
5.5 · Bewertung der Leistung
Kundenzufriedenheit, interne Audits, Managementbewertung
5.6 · Verbesserung
Nichtkonformität, Ursachenanalyse, Korrekturmaßnahmen
Konfigurations- und Risikomanagement
Risikomanagement: Der Lieferant belegt, dass er Risiken — auch die seiner Unterauftragnehmer — bei der Planung erkennt, analysiert und behandelt; das beginnt bei der Vertragsprüfung. Ohne andere Vertragsregel gelten die Grundsätze der ISO 31000:2009, und der Risikomanagementplan ist dem Güteprüfer zugänglich (5.2.1).
Konfigurationsmanagement: Der Lieferant führt Konfigurationsplanung, -identifikation, Änderungssteuerung, Statusbuchführung und Konfigurationsaudit nach ACMP 2100 — oder einem national anerkannten Äquivalent — und schreibt dazu einen Konfigurationsmanagementplan (5.4.1.2). Für den Schweißbetrieb heißt das praktisch: Jede Zeichnungs- oder Verfahrensänderung muss nachvollziehbar sein, und die Schweißanweisung im Einsatz muss zum gültigen Zeichnungsstand passen.
Unterauftragnehmer und Güteprüfung
Wer Teile oder Arbeiten auslagert, gibt die vertraglichen Anforderungen samt AQAP an den Unterauftragnehmer weiter; in jeder Bestellung steht ein Satz, dass die Anforderungen der Güteprüfung unterliegen können, und die Bestellunterlagen werden vorher formal geprüft (5.4.6.1). Dazu kommen ein Prozess gegen gefälschtes Material (5.4.6.2) und Kopien der Unteraufträge für den Güteprüfer (5.4.6.3). Umgekehrt heißt das: Ein Schweißbetrieb kann AQAP 2110 über die Bestellung seines Auftraggebers erhalten, ohne je selbst mit dem BAAINBw einen Vertrag zu schließen. Einstieg als Zulieferer.
Wo die Schweißnachweise einzahlen
Mehrere Abschnitte der AQAP 2110 treffen genau die Unterlagen, die ein Schweißbetrieb nach ISO 3834 ohnehin führt:
- Konformitätsnachweise (5.4.1): Der Lieferant legt fest, welche Unterlagen samt Annahmekriterien die Konformität belegen — beim Schweißen Prüfaufzeichnungen und Prüfberichte.
- Arbeitsanweisungen (5.4.7): Anweisungen für die Fertigung und klare Ausführungskriterien — beim Schweißen die Schweißanweisung (WPS) und die geforderte Bewertungsgruppe.
- Kompetenz (5.3.3): ein Prozess für Schulungsbedarf und Kompetenz — beim Schweißen gültige Schweißerprüfungen und die Schweißaufsicht.
- Rückverfolgbarkeit (5.4.8): Pflicht, wo ein Ausfall zum Verlust von Gerät, Leistung oder Leben führen kann — beim Schweißen die Zuordnung von Naht, Schweißer, Zusatzwerkstoff und Prüfung.
- Messmittel (5.3.2): Kalibrierung nach ISO 10012 und Meldung, wenn eine durchgefallene Kalibrierung gelieferte Produkte oder Prüfergebnisse betrifft — beim Schweißen etwa Messgeräte für Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur.
Die Schweißnachweise in der Wehrtechnik im Einzelnen.
AQAP-2110-Zertifizierung und PDF
AQAP 2110 sieht kein Zertifikat einer Zertifizierungsstelle vor; ob das System für den Vertrag trägt, beurteilen Auftraggeber und Güteprüfer (4.2). Mehr dazu unter Was heißt „AQAP-Zertifizierung“?. Den Text gibt das NATO Standardization Office (NSO) heraus; maßgeblich ist die Ausgabe, die der Vertrag nennt.
Sinngemäße Wiedergabe von AQAP 2110 Ed. D Version 1 (Juni 2016), nicht der Wortlaut. Abschnittsnummern in Klammern beziehen sich auf diese Ausgabe. Maßgeblich sind die im Vertrag genannte Ausgabe und der Vertrag selbst.
WehrNorm läuft auf Schweißanweisung Software.